Ich laufe…

Ich laufe…

…geradeaus, rückwärts und manchmal 21 km.

Ein Halbmarathon ist eine verdammt lange Strecke. Vor ein paar Jahren wäre ich wahrscheinlich niemals nur auf die Idee gekommen, so etwas überhaupt zu probieren. Aus dem Anlass, dass ich am letzten Wochenende aber schon meinen 2. Halbmarathon gelaufen bin, möchte ich für euch heute über das Laufen schreiben. Nicht über das Laufen im Allgemeinen, sondern über das Laufen und mich, wie ich dazu gekommen bin und meine Erfahrungen bei den Halbmarathons.

Wie wir Freunde geworden sind… 

Allgemein gehörte Sport während der Schulzeit nicht zu meinen Hobbys und Laufen schon mal gar nicht. Meine Einstellung zum Sport: Die Haare sitzen nicht, man fängt an zu schwitzen und anstrengend ist es auch noch.
In der 11. Klasse bin ich aber, wie der Zufall es so wollte in einem Laufkurs gelandet und wurde von meinem Sportlehrer bei Wind und Wetter durch die Rostocker Heide gescheucht. Nach einer Weile hatte ich sogar Freude daran, meinen Körper zu bewegen. Am Ende des Kurses war das Ziel: einen 6km langen Lauf durchzuhalten. Für mich war das damals echt viel!
Diese Erfahrung hat mich motiviert mit dem Laufen weiterzumachen. Es hat mir Spaß gemacht, meine körperliche Leistung zu verbessern. Ich habe an ersten Wettkämpfen teilgenommen und bin dort Distanzen über 5km gelaufen.

Während meines Auslandsaufenthalt in den USA hatte ich einige Kilos zugelegt. Dort bin ich nämlich keinen Zentimeter gelaufen. Als ich wieder nach Hause kam, war ich sehr unzufrieden mit meinem Körper. Ich fing also wieder an zu laufen. Ich fing bei 0 an. Meine Ausdauer war komplett verschwunden. Am Anfang war das sehr frustrierend und manchmal habe ich kaum 3km geschafft, ich musste die Strecke zurück gehen. Doch ich kämpfte weiter und kam wieder bei 5 km an.

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Ich wollte aber mehr…
Als ich nach Hamburg gezogen bin, habe ich den Alsterlauf entdeckt. Ich lief also los, ohne zu wissen, wie weit es ist und es hatte sich herausgestellt, dass es sogar 12 km waren. Ich war damals schon stolz auf mich. Von da an wurde es meine Standardlaufstrecke.
Doch wie bin ich nun auf die Idee gekommen einen Halbmarathon zu laufen? Viele Leute schütteln nämlich nur mit dem Kopf, wenn sie hören, dass andere so was machen. Ich gehörte auch mal dazu.
Meine Mama aber nicht. Sie läuft schon seit einigen Jahren und das sehr gut. Mit ihrer Motivation habe ich mir kurz vorm Jahreswechsel das Ziel gesetzt im neuen Jahr auch einen Halbmarathon zu laufen. Meine Eltern schlugen mir vor, mit nach Lissabon zu kommen. 2 Tage später war ich angemeldet und die Flüge waren gebucht.

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Für mich hieß es dann: trainieren, trainieren, trainieren.

Drei Wochen vor dem Halbmarathon in Lissabon entschied ich mich neue Schuhe zu kaufen, mit den alten hatte ich große Schmerzen im Knie und in der Wade. Diese mussten jedoch noch eingelaufen werden und ich wollte mindestens ein Mal 18km am Stück gelaufen sein, bevor es nach Lissabon ging. Ich schaffte es und die Schmerzen waren zum Glück weg.
Am Tag des Halbmarathons lief alles super. Ich fühlte mich gut vorbereitet und meine “Problemzonen” hatte ich tapen lassen. Als es losging war ich sehr aufgeregt, doch schnell lenkte mich die schöne Strecke in Lissabon ab. Mein Ziel war es durchzuhalten und ich habe durchgehalten. Es war hart, aber machbar. Die letzten 2 Kilometer waren für mich die schlimmsten, so viele Leute haben einfach aufgehört, aber ich kämpfte weiter. Im Ziel war ich unendlich stolz zu sehen, dass mein Körper in der Lage ist, eine solche Distanz zurückzulegen. Die Glücksgefühle tanzten nur in meinem Bauch.

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Und wieder…ich wollte mehr davon…

Eigentlich hatte ich von da an mehrere Läufe auf meiner Liste, die ich absolvieren wollte. Meist waren mir die Gebühren dann aber zu teuer und ich ließ es.
Mein damaliger Freund motivierte mich aber dazu, zusammen die 14. hella Marathonnacht in Rostock zu laufen. Was ich eine schöne Idee fand, weil es meine Heimat ist und meine Mama auch dabei sein würde.
Mit dem Training nahm ich es diesmal nicht so streng. Eigentlich bin ich nur ab und an mal ein paar Kilometer gelaufen und wirklich gute Leistungen waren da nicht bei. In der Woche vorm Halbmarathon bin ich dann noch mal 12km gelaufen und war danach so fertig, dass ich mit Magenschmerzen im Bett lag. Ich war mir nicht sicher ob es in einer Woche zu schaffen sei, dahin zu kommen wo ich hin wollte.
Samstag stand ich also am Start der Hella Marathonnacht in Rostock. Es war eisig kalt und ich hatte Halsschmerzen. Allgemein fühlte ich mich nicht vorbereitet. Ich wollte das einfach nur hinter mich bringen.
5 Minuten bevor es losging stieg bei mir aber auf ein Mal die Motivation mit ins Rennen ein und ich hatte richtig Bock. Ich habe meine Nike Running App eingeschaltet und mir das Ziel gesetzt 21,1 km unter 2 Stunden zu laufen.

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Ich lief und lief und lief…

Ich habe an die Dinge gedacht, die mich motivierten dort zu sein – meine Fitness, meine Einstellung zu mir selbst und meine Mama die wenige Meter vor mir lief. Ich war fokussiert auf mein Ziel. Bei 21,1 km applaudierte mir die App, ich hatte es in 1:59:13 geschafft. Leider war der Lauf aber nicht zu Ende, denn bis zum Ziel waren es noch 300 m. Insgesamt landete ich dann bei einer Zeit von 2:02:41.
Dass ich das „untrainiert“ schaffe hätte ich niemals gedacht und war unglaublich stolz auf mich. Noch Tage später, war das stolze Gefühl in mir verankert. Es hat mich einfach glücklich gemacht. Die Strecke war gut und meine Kondition war da, es lief einfach, ich lief einfach…

Das Schöne…

Am Laufen ist das Schöne, dass man in recht kurzer Zeit viele körperlich Erfolge erzielen kann. Damit meine ich nicht Körpergewicht zu verlieren, sondern an Leistung zuzunehmen. Man kann beim Laufen abschalten und den Alltag vergessen. Es  zeigt einem wozu der Körper überhaupt in der Lage ist. Und dass er einem dankbar dafür ist, dass man auf ihn aufpasst, ihm gesunde Lebensmittel gibt und durch Sport fit hält. Diese Erfolge sind das Dankeschön vom Körper, für all die Gedanken, die wir uns jeden Tag um ihn machen.
Und weil das Gefühl des Stolzes nach so einem Lauf so schön ist, wird der Halbmarathon sicher nicht mein letzter gewesen sein.

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